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15.03.16 08:07 Alter: 2 Jahre

Mankell am Dampfersteg

Axel Milberg unterstützt damit den Holzhausener Verein „Unser Dorf“. Der Schauspieler war mit dem Autor befreundet - Von Sibylle Reiter

Dabei war der Standort im Jahr 2005 nach massiven Bürgerprotesten vom damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber schon verworfen worden, wie der Verein „Unser Dorf“ in der Einladung zur Veranstaltung schrieb. Nun aber hat das Innenministerium die Pläne wieder aus der Schublade geholt, was die Bürger erneut auf den Plan ruft. Seit Februar findet jeden Sonntag um 14 Uhr ein Stehprotest gegen den Bau des Bootshauses am Dampfersteg statt, um die Verbauung „des einzigartigen 360-Grad-Panoramas mit Blick auf Andechs und die Alpen“ vielleicht doch noch zu verhindern. „Es ist ein Ort von Ankunft und Abschied, ein Ort der Faszination und Inspiration, den auch bereits die Scholle-Maler Ende des 19. Jahrhunderts geschätzt haben und den wir erhalten wollen“, so Daniel Fusban in seiner Begrüßung. Unterstützung bekommt der Verein „Unser Dorf“ von Schauspieler Axel Milberg, der eine enge Bindung an den Ammersee hat. Seine Frau Judith ist in Utting aufgewachsen und seine Schwiegereltern leben am Ammersee. „Ich hoffe, dass man für das Boot, das man ja braucht, noch eine andere Behausung findet“, so Milberg zu unserer Zeitung.
Sportlich fit auf den Biertisch

Sportlich fit springt der Schauspieler auf den Biertisch, der vor dem Dampfersteg aufgestellt ist und erzählt von seiner letzten Begegnung mit dem Autor im Jahr 2013, bei einem gemeinsamen Abendessen. Er habe noch vor Augen, wie Mankell danach die Maximilianstraße hinter Richtung Kammerspiele gegangen sei. Einen Monat später habe Mankell mit der Arbeit zu seinem letzten Buch „Treibsand“ begonnen. Er schrieb es, nachdem er von seiner Krebserkrankung erfahren hatte. Es ist ein Buch mit Erinnerungen, mit sehr persönlichen Gedanken, Begegnungen, Recherchen und Appellen – eine Art Vermächtnis. Axel Milberg hat viele Bücher seines verstorbenen Freundes als Hörbücher eingelesen, auch „Treibsand“. Für seinen Auftritt am Ammersee (trotz windigen und kalten Wetters hatten sich um die 60 Zuhörer eingefunden) wählte Milberg drei Geschichten aus – „es kommt natürlich ein See vor, ein Polizist und ein Kellner“. Milberg liest, als ob er Mankell wäre. Der Zuhörer, obwohl am zugigen Ammersee, gleitet hinüber ins spanische Salamanca oder nach Sambia, in die Chachacha Road in Lusaka. Man sitzt oder steht daneben, wenn der Kellner sein volles Tablett zu Boden wirft oder der Polizist sich die Schuhe putzen lässt, während der Dieb ihm eine Zeitung kauft … Mankell war ein politisch und philosophisch denkender Mensch, der die Situationen und Gefühle auch fremder Menschen zu analysieren und nachzuempfinden suchte, sich daraus einen Bezug zu seinem eigenen Leben und der Gesellschaft schuf. Seinem letzten Buch gab er den Untertitel „Was es heißt, ein Mensch zu sein“. Axel Milberg liest und als die Lesung vorbei ist, will man selbst weiter lesen.
Weiter kämpfen wollen die Gegner des Bootshauses in Holzhausen - mit sonntäglichen offenen Stammtischen am Steg und über 2000 Unterstützern. Sie hoffen weiter auf eine Beantwortung ihrer Briefe an Innenminister Joachim Herrmann (CSU), auf einen Gesprächstermin im Innenministerium, auf einen alternativen Standort für das Polizeiboot.

Quelle: LT online 15.3.2016



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