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27.04.15 22:49 Alter: 3 Jahre

BOOTSHAUS FÜR POLIZEIBOOT An die 300 Bürger protestieren in Holzhausen

Verantwortliche der Polizei stellen Planung vor. Gibt es noch Spielraum für einen anderen Standort? Von Stephanie Millonig

13 Meter lang, zehn Meter breit und 5,80 Meter hoch, so sind beim derzeitigen Planungsstand die Dimensionen eines Bootshauses für die Dießener Polizeiboote am Holzhauser Dampfersteg. Die Zuständigen von Polizei und Innenministerium stellten in der jüngsten Sitzung des Uttinger Gemeinderates das Projekt vor, mussten sich aber zahlreichen Fragen nicht nur aus dem Gemeinderat stellen, denn auch Zuhörer durften sich zu Wort melden. Rund 300 Bürger vor allem aus Holzhausen und Utting aber auch den Nachbargemeinden wie Dießen hatten sich eingefunden – und lauschten teilweise stehend der Diskussion, da selbst im Haus Sieben Eichen in der Verwaltungsschule in Holzhausen der Platz nicht ausreichte. Zuvor hatte man sich am Dampfersteg getroffen.

Bürgermeister Josef Lutzenbeger machte zu Beginn klar, dass der Handlungsspielraum der Gemeinde gering ist: Der See sei außermärkisches Gebiet. Der Polizeivizepräsident des Präsidiums Oberbayern-Nord, Günther Gietl , erläuterte, dass die Wasserschutzpolizei bisher ihrem Auftrag ganzjährig präsent sein zu können, nicht nachkommen konnte, da das Polizeiboot im Winter auf dem Trockenen liegt. Die Polizei habe die Aufgabe „konkrete Gefahren abzuwehren“, und müsse außerdem Straftaten und Ordnungswidrigkeiten ahnden.

 

In der weiteren Diskussion wiesen einige Bürger immer wieder daraufhin, dass doch die Wasserwachten für die Lebensrettung zuständig sei. Gietl sagte, dass vergleichbar den Beamten, die auf der Straße einen Unfall aufnehmen, auch auf dem See Polizisten so tätig werden müssen, beispielsweise bei einem „Todesermittlungsverfahren“, wenn ein Wassersportler ums Leben kommt. Gietl bezg sich auch auf den tragischen Fall des derzeit am Starnberger See vermissten 13-jährigen Buben vor. Die Starnberger Kollegen seien nach der Vermisstenmeldung um 21.45 Uhr ausgerückt und vier Stunden auf dem See unterwegs gewesen. Und dies gehe nur, wenn ein ausreichend großes Boot vorhanden sei, in dem die Mannschaft geschützt sei. An den beiden anderen bayerischen Seen sind seiner Information größere beziehungsweise gleich große Boote vorhanden.

Tobias Hofrichter von Dießener Wasserschutzpolizei erläuterte, dass die Beamten ein großes, auch mit Sanitäreinrichtungen versehenes Boot für ihren Dienst bräuchten. Bei Observationen, beispielsweise in Folge einer Reihe von Diebstählen an Schiffen, sei die Mannschaft zehn bis zwölf Stunden auf dem See, „das geht nicht auf einem Schlauchboot“.

Immer wieder angesprochen wurde von Kritikern eines Bootshauses, warum nicht die bisherige Praxis, das Boot sommers am Dampfersteg in Dießen zu lassen, weiter praktiziert werde. Gemeinderat Florian Hofmann (LWG) ging dies zu weit. Beim Feuerwehrfahrzeug oder dem Sanka frage auch keiner, warum diese eine Garage bräuchten. Nachgefragt wurde von den Kritikern auch, was denn die Polizei im Winter auf dem See zu tun habe. Gietl verwies auf die geforderte Einsatzbereitschaft.

Die Standortfrage bot ebenfalls Diskussionsstoff. Richard Filser von der Liegenschaftsverwaltung des Präsidiums zeigte die Vor- und Nachteile verschiedener Orte auf. Untersucht worden waren etwa Riederau und Schondorf. Nachteile sind hier unter anderem die nahe Freizeitnutzung von Strandbad oder Seeanlagen. Bei Stegen müsste eine Fahrrinne geschaffen werden, außerdem sei der Raum wegen des Werftbetriebs begrenzt. Die von der Initiative dampferstegholzhausen.de ins Spiel gebrachte Bootshütte in Dießen kann wegen des Ensembleschutzes nicht erweitert werden und es müsste eine Fahrrinne geschaffen werden. Beim Standort Holzhausen wurden dagegen nur positive Punkte aufgelistet: Es gebe keine Flachwasserproblematik, einsatztechnisch liege es ideal, es würden kein Strandbäder oder Seeanlage beeinträchtigt und den Blick sehen die Planer auch nicht verstellt.

Bei den Bürgern führten diese Ausführungen zu Protest, Renate Standfest (GAL) kritisierte, dass für Holzhausen nur Vorteile aufgeführt werden. Viele insistierten, doch ein Bootshaus in Stegen unterzubringen, Karl Sauter (CSU) geht davon aus, dass dieser Strandort eine viel stärkere Akzeptanz hätte. Gietl sicherte zu, dass Stegen noch einmal geprüft wird. Er versprach auch, dass der Steg offen bleiben werde, sollte die Polizei dort ihr Bootshaus hinbauen. Gemeinderates Florian Münzer beantragte, dass sich die Gemeinde gegen dieses Projekt ausspricht. Es wurde jedoch beschlossen, darüber erst abzustimmen, sobald die Polizei die neuen Erkenntnisse vorlegt.

 

Quelle: Landsberger Tagblatt, April 2015



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